Wie funktioniert die deutsche Zivilgesellschaft?

Wie funktioniert die deutsche Zivilgesellschaft?

Was kann man über zivilgesellschaftliches Handeln in Deutschland erreichen?

Workshop  – Dr. Rachid L’Aoufir

Wer ein privates Anliegen öffentlich artikulieren möchte, muss Gleichgesinnte finden und binden. Der Zugang zur Öffentlichkeit setzt außerdem die Beherrschung von bestimmten Kommunikationsmethoden und die Einhaltung von gesetzlichen Bestimmungen voraus, weil der Staat die Rahmenbedingungen der Öffentlichkeit im Sinne des allgemeinen Interesses regelt. Obwohl in den letzten 20 Jahren auch in afrikanischen Ländern starke Vereinslandschaften entstanden sind, ist es für in Afrika erwachsen gewordene Menschen oft eine Herausforderung zu verstehen, wie die Zivilgesellschaft in Deutschland funktioniert.

Die Voraussetzungen sind hierzulande aber besonders günstig, weil der deutsche Staat die Vielfalt der Weltanschauungen und der Methoden unterstützt, nach dem Subsidiaritäts-prinzip arbeitet und weil die Gemeinnützigkeit von Organisationen aufgrund der Satzung vorläufig anerkannt und danach aufgrund der tatsächlichen Führung geprüft wird. Der Gesetzgeber erwartet, dass die Vereinsführung entsprechend qualifiziert ist. So kann man über Vereine eigene Ideen verwirklichen, die soziale Integration erleichtern, sich vernetzen, Anerkennung finden, anderen helfen und lernen mit öffentlichen Verwaltungen umzugehen.

Es gibt aber auch Herausforderungen. Inwiefern soll der Verein von deutschen oder ausländischen staatlichen Geldern abhängen? Wie kann man sich im Verhältnis zu den gesetzlich privilegierten Wohlfahrtsverbänden positionieren? Wie behauptet man sich in asymmetrischen Kooperationen? Welche Rolle sollten Allies spielen? Wie kann man das Schweigen in Worten fassen und an die Öffentlichkeit bringen? Wann ist der richtige Moment? Welcher Stil passt? Wer ist diese Öffentlichkeit? Wann fängt eine politische Aktivität an? Soll der Verein gemeinnützig sein oder nicht? Wie kann man den Verein über die Anerkennung als Träger der Kinder und Jugendhilfe oder als Bildungsträger stabilisieren? Im Workshop werden wir aufgrund zahlreicher Beispiele diese Fragen diskutieren.

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Dr. Rachid L’Aoufir promovierte in Paris und Berlin über die Rolle der Zivilgesellschaft im Wandel von Institutionen. Er gründete entwicklungspolitische Vereine in Paris und Berlin und unterstützte damit zahlreiche zivilgesellschaftliche Initiativen vor allem in Marokko. Daraus entstanden unter anderem eine Unternehmensstiftung und eine kommunale Plattform für Kinder- und Jugendhilfe in einer Großstadt. Aufgrund dieser Erfahrungen berät Dr. L’Aoufir im In- und Ausland öffentliche Verwaltungen bei der Zusammenarbeit mit privaten Trägern. Als Vorstandsvorsitzender der Deutsch-Afrikanischen Arbeitsgemeinschaft trägt er dazu bei, der deutsch-afrikanischen Zivilgesellschaft eine öffentliche Stimme zu verleihen.

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